Das letzte (und meiner trüben Erinnerung wohl einzige) Mal, dass ich in Bochum war, hatte nix mit Fußball zu tun. In irgendeiner Kneipe, nach einer Partynacht, ich war ziemlich bedient und wachte am nächsten Tag in einem fremden Bett auf. Viel mehr ist nicht hängengeblieben, von irgendwelchen Stadtansichten ganz zu schweigen. Mittlerweile ist eine andere Zeitrechnung angebrochen, die letzte durchzechte Nacht liegt gefühlt Jahrzehnte zurück. (Tatsächlich wars nach der HU-X-MAS-Feier anno 2024, ist also keine zwei Jahre her, aber fühlt sich so an.)
Wer also könnte mich ein weiteres (und vermutlich nicht zum letzten) Mal zu einem Ausflug ins beschauliche Ruhrgebietsstädtchen zwischen Dortmund und Essen verleiten? Janz jenau! Ganz ohne stimulierende Getränke und sonstige Mittelchen. Und, was fast das Beste ist, komplett auf eigene Faust. Wobei, nur beinahe komplett, denn als OFC muss ich Minimum sechs Tickets bestellen. Da sich unsere alte Reisegruppe nicht zuletzt coronabedingt aufgelöst hat, ist es mitunter nicht mehr ganz so unproblematisch, die Dinger allesamt an Mann und Frau zu bringen. Jut, bei diversen Foren vermutlich kein Problem, aber immer mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Dann doch lieber Verwandte und Bekannte, (Ex-)Frau und Kind. So wie diesmal. Nochn kleiner Unterschied zu früher: Kein Gruppenreisezwang, sondern frei nach Fritze Zwo: jeder nach seiner Façon. Treffen spätestens im Stadion oder kurz davor für einen kleinen Happen, aber nur wenn nix dazwischenkommt.
Mein Reiseplan sah vor, am frühen Nachmittag in Bochum zu landen. Mit der Deutschen Bummelbahn, Erste Klasse, versteht sich. Kleine Aufgabe, da Biergarten keine Option: Wie schlägt man die Zeit tot, wenn der Zug ungewöhnlich pünktlich am Zielort eintrifft und das Bergbaumuseum geschlossen hat? Ich habe mich für einen Gang auf den Tippelsberg entschieden, Bochums höchste Erhebung (150 Meter über Normalnull). Vorher nie gehört, musste ich unbedingt sehen. Von meinem Hotel aus ca. 30 – 40 Minuten per Pedes (laut Google Maps). Vorm Saisonstart noch schnell einen Gipfel erklimmen, das erschien mir eine passende und zugleich symbolisch tiefgründige Unternehmung zu sein.
Was soll ich sagen: Herrlicher Ausblick ringsherum, das Ruhrstadion relativ nah, etwas weiter Richtung Horizont die unschöne Heimat der Schalalalker; dazu kaum getrübter Himmel, in Bochum und Umgebung bis in die 70er angeblich ein kaum bekanntes Naturphänomen. Staublunge adé, Bergmanns Heil, wissta Bescheid.
PS Das Spielchen am Abend widerlegte zu guter Letzt eindrucksvoll die Unkenrufer. Vorerst bis nächsten Samstag. Ein paar Tage vorher tippel ich nochmal auf den Teufelsberg. Am kommenden Mittwochabend ist es soweit: Kurz nach 19 Uhr Sonnenfinsternis vor Olympiastadionkulisse, anschließend Perseidenfeuerwerk. Aufgemerkt liebe Freunde, es muss nicht immer Fußball sein.




