Neue Saison, neues Glück, sollte man meinen. Wobei die Glücksdefinition selbstredend jedermann selbst überlassen bleibt. Bei vielen der Unsrigen gehört zum Glücklichsein offenbar die Lust an der Miesmacherei. Ursächlich ist die seit Wochen registrierte Flaute in punkto Neuverpflichtungen. Wie das so ist, kursierten bereits etliche Namen, die angeblich kurz vor der Unterschrift standen und sich dann doch anderweitig entschieden. Jüngste Absage: Flo Kastenmeier, ehemals Düdorf, den es statt nach Berlin ins Ausland zieht. Schöner Schlamassel. Parallel dazu wurde ein Abgang nach dem anderen vollzogen. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn auch noch verkündet worden wäre, dass Herthinho ebenfalls die Flatter macht. Wobei ich ehrlich sagen muss, der alte Zottelbär hat langsam ausgedient. Wie lustlos der in der letzten Saison über den Platz getrabt ist, das war kaum auszuhalten. Früher konnte man sich auf ihn verlassen, der Bär hat geliefert, zuverlässig und formstabil. Wird Zeit für einen Wechsel. Ich hätte schon eine Idee, aber behalt sie noch für mich.
Genug der Häme. Ich stelle fest: Die Erwartungshaltung bei Hertha gleicht derzeit einem Fass ohne Boden. Dabei vergessen die Nörgler geflissentlich, dass ein Kader nicht im Juli für den Mai fertiggestellt wird, schon gar nicht bei unserer Finanzlage. Angeblich hat die Personalie Tjark Ernst die handelnden Personen überhaupt erst in die Lage versetzt, mal wieder ein paar Euro auszugeben. Geduld ist eine Tugend, die im Fußballgeschäft leider rar gesät ist, beim Anhang unserer Alten sowieso. Bei mir nicht minder.
Vorschlag zur allgemeinen Beruhigung: Vielleicht sollten wir die Flaute nicht als Mangel, sondern als Chance begreifen. Eine Chance, den eigenen Nachwuchs zu fördern, die Identität zu schärfen und nicht jedem Gerücht hinterherzurennen, das ein aufgeregter Markt auswirft. Denn am Ende zählt nicht die Anzahl der Zugänge, sondern der Zusammenhalt aufm Platz. Um mal wieder ein paar Floskeln unters Volk zu werfen. Und wer weiß: Vielleicht ist gerade die Stille vor dem Sturm der beste Beweis dafür, dass man in der Hauptstadt gelernt hat, mit den vorhandenen Mitteln zu haushalten, statt mit fremden Geldern fröhlich shoppen zu gehen.
Siehe da: Während ich hier munter spekuliere, vermeldet die stets bestens informierte Bild den ersten Neuzugang: Andreas Schumacher, zuletzt Co-Trainer beim 1. FC Magdeburg, stellt seine Expertise ab sofort unseren Jungs zur Verfügung. Sein Steckenpferd (laut eigener Aussage): die Offensive, inkl. Standards. Na, bitte, geht doch. Der erste Dominostein ist gefallen, so kanns gerne weitergehen.

