Was für eine Dramaturgie! Machen wir uns nix vor, auch dafür lieben wir den Fußball. Das Unvorhergesehene, das mitunter anarchische, exzessive Stadionerlebnis. Wenn man urplötztlich, von Rauchtöpfen umnebelt, mit Pyrotechnik beschossen wird. Na gut, kann man drüber streiten. Wobei mir keine wirklich überzeugenden Argumente für die seltsame Egomanenshow einiger Fußballfreaks einfallen. Man könnte natürlich einwenden, dass durch derartige Aktionen in gewisser Weise die von Kriegsminister Pistorius (SPD) erwünschte Kriegstüchtigkeit auf unkonventionelle Art und Weise eingeübt würde, mithin durchaus begrüßenswert sei. Zumal die schlagzeilenträchtige Randale in Dresden stattfand, einem Ort, der vor nicht allzu langer Zeit in Schutt und Asche gebombt wurde. Was wiederum darauf schließen ließe, dass die Schrecken des Weltkrieges allmählich so weit verblasst sind, dass sie mal wieder einer Auffrischung bedürfen. Was ich damit sagen will: Mann kann auch den primitivsten menschlichen Auswüchsen etwas Positives abgewinnen, wenn man nur etwas guten Willen zeigt. Und Mut zur originellen Verargumentierung. Also schön Fressehalten, ihr elenden Moralapostel.
Zurück zum Spiel, der beinahe schönsten Nebenbeschäftigung von allen. Ich war nicht vor Ort, hab mir Herthas mutmaßlich letztes Flutlichtspiel der Saison via FreeTV angeschaut. Und war am Ende – Randale hin oder her – natürlich extrem beglückt, dass wir das Ding in Unterzahl, inklusive gehaltenem Elfmeter, noch gewonnen haben. Obendrein mit Pre-Assist des unvergleichlichen Kennet Eichhorn. Es ist wirklich ein Jammer, dass der Kerl uns über kurz oder lang verlassen wird, aber die Berliner Bühne ist für den frühreifen Genius erkennbar schon jetzt zu klein. Ein paar Spiele immerhin können wir ihn noch im blau-weißen Dress genießen.
Stand jetzt sind es mindestens sechs. Dreimal daheim, dreimal auswärts. Bei fünf Punkten Rückstand auf Platz drei, dazu das schlechtere Torverhältnis. Ich sag mal frech, mit sechs Siegen wären wir am Ziel. Wie realistisch erscheint uns das..? Tja, ich habe es geahnt. Müsste ich wetten, würde ich auf Endplatzierung fünf tippen. Bedeutet: Einen von da oben fangen wir noch ab.
Fünf. Eine schöne, unrunde Zahl. Rang vier wäre mir zu dicht am Scheitern, der von Leitl ausgerufene sechste Platz zu minimalistisch. Also abgemacht, ihr Zweitligahelden: Fünf Siege sollten es schon noch werden, damit wir entspannt in die Sommerpause glitschen können.


