Transformers

Während andernorts allmählich die Aufstiegsvorfeierlichkeiten beginnen, kreist man im Hertha-Kosmos gemächlich um sich selbst. Oder etwa nicht? Die letzte Nachricht, die für reichlich Klicks im Netz sorgte, war das Interview von Geschäftsführer Görlich in der FAZ. Für Schlagzeilen sorgte anschließend seine Verkündung der Weiterbeschäftigung von Trainer Leitl und Sportdirektor Weber. Mich hat eher Görlichs Aussage bezüglich eines nicht näher definierten Transformationsprozesses angefixt. Was damit wohl gemeint ist? Wird Hertha ein KI-generierter Transformer-Verein, eine Art Mutantenklub? Das wäre doch mal was, was auch immer man sich darunter vorzustellen hat. Ich bin jedenfalls guter Dinge und freue mich wahnsinnig, ein kleiner Teil dieses irren Unternehmens zu sein.

Während also im Hintergrund fleißig an der neuen Hertha gewerkelt wird, wurde ein alter Fahrensmann vor die Tür gesetzt: Zeugwart Hendrik Herzog (57). „Wegen einer Lappalie!“, wie die stets bestens informierte Bild schlagzeilte. Liest man den Artikel, klingt es tatsächlich wie ein vernachlässigbarer Lapsus, den sich Herzog hat zuschulden kommen lassen. Entsprechend harsch fielen die Reaktionen in den sozialen Medien aus, zumindest die, die ich gelesen habe. Was mich stutzig macht: Außer Bild, von der die Ursprungsnachricht stammt, haben bislang nur die Alles-Verwurster vom Focus sowie t-online die Meldung aufgegriffen. Die anderen Berliner Medien scheint das Thema nicht zu interessieren, auch beim Kicker habe ich dazu nichts gefunden. Sollte das Eisen zu heiß sein? Ich hoffe, dass die zuständigen Investigativreporter für etwas Erhellung sorgen. Das habe ich an dieser Stelle zum Glück nicht nötig, ich kann frei fabulieren.

Herzogs Hendrik (M.) mit Namensvettern Roman (l.) und Dieter

Also dann, munter losspekuliert: Sollte die angebliche Fahrerflucht tatsächlich der einzige Grund für Herzogs Entlassung sein? Oder hat man den Fauxpas lediglich als willkommenen Anlass genommen, einen lästig gewordenen Mitarbeiter von der Gehaltsliste zu streichen? Ein Blick auf die Fakten: Herzog hat laut Transfermarkt.de im Jahr 2002 seine Karriere beendet (letzter Verein Unterhaching, davor Hertha, VfB Stuttgart, Schalke und FC Berlin bzw. BFC Dynamo). Ab 2003/04 war er zunächst U-19-Co-Trainer bei Hertha, ab Sommer 2007 dann Zeugwart. Also noch zu seligen Onkel-Dieter-Zeiten, als Geld noch keine Rolle spielte (obwohl die Kassen längst leer waren). Herzog kennt den Laden vermutlich wie kaum ein Zweiter.

Noch ne Lappalie: Kinski knöpft sich Regisseur Herzog vor

Was ist sein Job? Der Zeugwart ist für die gesamte Ausstattung verantwortlich, Trikots, Hosen, Stutzen, Schuhe, Bälle, Trainingsgeräte. Er pflegt das Equipment, verwaltet den Bestand, kümmert sich um den Transport zu Auswärtsspielen. Kaum jemand ist näher am Team sein, kaum jemand hat einen intimeren Einblick ins Allerheiligste, auch als Kabine bekannt. Ich wünschte, Herzog wäre mein Hinterhofnachbar. Dann hätte ich vermutlich immer genug Stoff für diesen nurmehr leidlich gepflegten Blog. Sorry dafür.